Kreislaufwirtschaft in der Messebranche

2bdifferent begleitet DBU-Forschungsprojekt KRIDEM

Circular Economy gilt als Schlüssel für mehr Umweltschutz und Nachhaltigkeit, doch in der Messebranche ist sie bislang kaum etabliert. Das soll sich ändern: Mit dem Forschungsprojekt „Kreislaufwirtschaft in der Messewirtschaft“ (KRIDEM) entwickelt die Hochschule Osnabrück Ideen für kreislaufwirtschaftsfähige Messestände und eine nachhaltige Messewirtschaft. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) fördert das auf zwei Jahre angelegte Vorhaben mit rund 150.000 Euro.

Forschungsprojekt KRIDEM(Bild: Screenshot)

Die Hochschule Osnabrück arbeitet in dem Projekt eng mit mehreren Praxispartnern zusammen. Maßgeblich beteiligt sind auch die Agentur 2bdifferent, der Ausstellungs- und Messe-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft (AUMA), die Fachzeitschrift tw tagungswirtschaft sowie das Unternehmen für Messearchitektur und -management imb troschke. Gemeinsam wollen sie bis zur IMEX 2026 einen Messestand nach den Prinzipien der Kreislaufwirtschaft realisieren, der alle drei Säulen der Nachhaltigkeit – ökologisch, sozial und ökonomisch – berücksichtigt.

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Ziel des Forschungsprojektes ist es, praxisnahe Lösungsansätze für die Umsetzung von Circular Economy-Modellen in der Messebranche zu entwickeln. Dabei sollen Reststoffe und der Materialeinsatz im Messebau reduziert, ressourcenschonende und wirtschaftlich tragfähige Modelle entwickelt und branchenspezifische Herausforderungen analysiert werden. Ein besonderer Fokus liegt auf der Verknüpfung der Kreislaufwirtschaft mit dem Nexus-Ansatz, der in besonderem Maße die Zusammenhänge zwischen Wasser-, Energie- und Rohstoffsicherheit beleuchtet.

2bdifferent bringt seine Beratungserfahrung zur intelligenten Kreislaufwirtschaft aktiv ins KRIDEM-Projekt ein. Mit Dr. Christoph Soukup, Experte für nachhaltige Beschaffung und zirkuläre Geschäftsmodelle, verfügt das Unternehmen über fundiertes Know-how in der strategischen Transformation. Ergänzt wird diese Kompetenz durch eine enge Partnerschaft mit Trash Galore, einem Spezialisten für Materialkreisläufe in der Eventbranche. Gemeinsam beraten sie Messegesellschaften und Veranstalter dabei, bereits in der Planungsphase kreislauffähige Lösungen zu entwickeln.

Gerade die Verknüpfung der Kreislaufwirtschaft mit dem Nexus-Ansatz verspricht neue Lösungen für eine nachhaltige Ressourcennutzung. Das Konzept der Kreislaufwirtschaft hilft, Abfälle und Emissionen zu reduzieren, der zunehmenden Verknappung natürlicher Ressourcen entgegenzuwirken, innovative kreislauforientierte Geschäftsmodelle zu entwickeln und Arbeitsplätze zu schaffen sowie langfristig die Kosten für Veranstaltungen deutlich zu senken. Der Messewirtschaft-Nexus bedeutet, dass die kreislauforientierte Messewirtschaft eng mit der Wasser-, Energie- und Rohstoffsicherheit verbunden ist. Beide Konzepte wurden unabhängig voneinander entwickelt. Im Projekt sollen die Potenziale und Synergien beider Konzepte zusammenkommen.

Beides fand bisher in der Messewirtschaft wenig Beachtung. Jürgen May, Gründer und Geschäftsführer von 2bdifferent, will daher die Veranstaltungswirtschaft stärker einbinden. „Wir müssen einen Dreiklang erzeugen, in dem die Kooperation zwischen den Messebauern, den Unternehmen, die die Aufträge vergeben, und den Messegesellschaften angemessen berücksichtigt wird.“ Dr. Christoph Soukup, Experte für Kreislaufwirtschaft bei 2bdifferent, ergänzt: „Die Einführung einer Kreislaufwirtschaft ist entscheidend, um die Klimaziele Deutschlands zu erreichen. Wir müssen die EU-Ziele zur Kreislaufwirtschaft im Auge behalten und die Regulatorik entsprechend einbeziehen.“

Das zweijährige DBU-Projekt besteht aus zwei Arbeitspaketen. Im ersten wird bis Februar 2026 die Bedeutung von zirkulären Geschäftsmodellen in der Messewirtschaft analysiert. Dazu sind u.a. eine Literatur- und Best-Practice-Analyse, eine empirische Analyse mit der Befragung von Expert:innen der Kreislaufwirtschaft zu Erfolgsfaktoren in der Messewirtschaft sowie eine Stakeholder-Analyse zur Einstellung zur Kreislaufwirtschaft bei relevanten Gruppen wie Konsument:innen und Messebesucher:innen, Ausstellern, Messegesellschaften, Messeagenturen und Messebauunternehmen vorgesehen.

Das zweite, dreiphasige Arbeitspaket sieht die Erarbeitung von Konzeptideen bis November 2026 vor. In Phase eins wird eine Stoffstromanalyse durchgeführt, um Stoff- und Materialströme für Produkte, Prozesse und Dienstleistungen zu erfassen. In Phase zwei werden kreative Umsetzungsvorschläge erarbeitet. In Phase drei fließen die Ergebnisse aller Analysen und der Fallstudienbetrachtung in Handlungsempfehlungen und einen Leitfaden ein. Die Veröffentlichung der Ergebnisse soll auf Fachveranstaltungen und Konferenzen erfolgen.

Die Messewirtschaft besitzt ein erhebliches Potenzial für Nachhaltigkeit und Umweltschutz. An den 70 deutschen Messeplätzen finden jährlich 350 bis 380 internationale, nationale und regionale Messen mit rund 16 Millionen Besucher:innen statt. Damit verbunden sind Abfälle und Emissionen, doch nur etwa ein Prozent der Wertstoffe wird nach der Messe in die Stoffkreisläufe zurückgeführt.

Lineares Denken und Handeln würden noch die Messelandschaft prägen, zusätzlich gäbe es viele Hürden bei der Einführung der Kreislaufwirtschaft, heißt es seitens 2bdifferent. Eine davon seien die oft über Jahrzehnte eingefahrenen Abläufe, die wenig Zeit für den Auf- und Abbau von Messeständen lassen und den Einsatz von Einweglösungen vorsehen würden. Zudem hätten Unternehmen oft falsche Bedenken hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit. Kreislaufwirtschaft gelte als teurer im Vergleich zu herkömmlichen Einweglösungen, doch letztlich erweise sie sich als kostengünstiger, so 2bdifferent.

Dennoch würden Ressourcenknappheit, Klima- und Umweltschutz, aber auch der Erhalt der langfristigen Wettbewerbsfähigkeit inzwischen viele mittelständische Unternehmen dazu bewegen, Ideen für eine Kreislaufwirtschaft zu entwickeln. Diese könne die Wirtschaft ankurbeln, denn sie nütze nicht nur dem Umwelt- und Klimaschutz, sondern auch den Unternehmen. Aus dem geringeren Abbau von Rohstoffen und Ressourcen resultieren für sie Vorteile, denn weniger Material, Transporte und Abfälle tragen zu erheblichen Kosteneinsparungen bei. So entstehe eine ökologisch-ökonomische Win-Win-Situation. Das DBU-Projekt soll letztlich auch dazu beitragen, dieses Bewusstsein zu stärken.

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